{Kulinarische Entdeckungsreise} Kirgisische Manti in Joghurtsauce

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Ihr Lieben, heute nehme ich euch mit auf eine Reise! Und es geht in ein Land, das garantiert 99% von euch noch nie besucht haben und auch nie besuchen werden. Kirgisistan! Für alle, die jetzt erst mal schauen müssen, wo das liegt: Es ist in Zentralasien und grenzt an Kasachstan, China, Tadschikistan und Usbekistan. Ich war 2012 für vier Wochen dort und wollte ein bisschen von dieser spannenden Erfahrung an euch weitergeben. Also habe ich die Gelegenheit ergriffen, bei meiner zweiten Teilnahme an der Kulinarischen Entdeckungsreise das Ziel Kirgisistan zu wählen. Auf dieser Reise nehmen uns jede Woche Blogger mit in ein anderes Land. Wenn ihr genauer nachlesen wollt, was es damit auf sich hat, und wo wir schon waren, dann klickt mal HIER.

Manti in Joghurtsauce

In Kirgisistan ist die Zeit stehen geblieben, so scheint es oft. Die typische Sowjet-Architektur ist dort noch lebendig. In der Hauptstadt Bishkek gibt es breite Straßen und riesige Plätze. Kaum verlässt man den Stadtkern, sehen die kleinen Häuschen immer ärmlicher aus und werden schließlich zu Hütten. Kirgisistan ist zu 94% im gebirgig. Deswegen ist das Leben hart, rau und es kann nur wenig angebaut werden. Das Land blickt deshalb auf eine lange Nomaden-Kultur zurück. Auch heute gibt es noch Nomaden, die ihre Zelte (Jurten) mal hier und mal dort aufstellen. Städte gibt es nur wenige. Dafür gibt es weite Landschaften, die gleichzeitig öde und wunderschön sind.

Die Bevölkerung ist vielfältig. Es gibt neben den Kirgisen auch viele Russen, Tatschen, Usbeken…genau so viele Sprachen gibt es auch. Allerdings wird hauptsächlich Kirgisisch und Russisch gesprochen. Die Kirgisen selbst gehören zu den Turmvölkern. Sie haben eher asiatisches Aussehen mit breiten, runden Gesichtern und mandelförmigen Augen. Die Mehrheit der Bevölkerung sind Muslime. Der Staat ist jedoch säkulär und Religion spielt eine untergeordnete Rolle.

Manti in Joghurtsauce 1

Ich habe Kirgisistan besucht, da mein Liebster eine Weile dort gearbeitet hat. Ihm gefiel es sehr gut dort. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet. Aber es war aufregend, einmal mehr in ein Land zu reisen, dass bisher touristisch kaum erschlossen ist. Es gibt wunderschöne Landschaften und man kann Trekkingtouren machen. Nie vergessen werde ich unseren Ausflug an den Fuß eines Gebirges nahe Bishkek, auf dem uns plötzlich mitten im Nirgendwo eine Herde Wildpferde entgegen kam! Auch das Wetter hat Eindruck bei mir hinterlassen. Ich kam Ende Oktober an und verließ Bishkek vier Wochen später. Während wir in der ersten Woche noch im T-Shirt in der Sonne sitzen konnten, kippte das Wetter plötzlich von einem Tag auf den anderen auf Schnee bei -10°C. Achja, und eine dringende Souvenir-Empfehlung: Die Kirgisen filzen ganz meisterhaft. Der Liebste hat mir ein paar knallbunte Filzpantoffeln geschenkt (so richtig mit Spitze vorn…). Wenn ich dem Briefträger damit öffne, guckt er zwar komisch. Aber sie sind einfach das allerbeste gegen kalte Füße. Und ich kenne mich da aus. Filz aus Kirgisistan hilft auch den frösteligsten Frostbeulen unter uns! Der Liebste hat übrigens auch so ein Paar. Sieht schon lustig aus, wenn wir Zuhause beide in unseren Puschen rumlümmeln…

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Aber nun zum Kulinarischen. Kirgisistan wurde aufgrund seiner Lage und Geschichte sowohl von der russischen, als auch von der türkischen Kultur stark geprägt. Beide Einflüsse sind heute noch im Alltag stark vertreten. Das gilt auch für die Küche Kirgisistans. Die russische und türkische Länderküche paaren sich mit der kargen Lebensweise der Nomaden. Deshalb ist kaum Gemüse oder Obst in der kirgisischen Küche zu finden. Wenn es welches gibt, dann wird es meistens einzeln zum Essen dazu gegessen. Ich finde, daran kann man schon die Wertschätzung erkennen, die einem Stück Obst entgegen gebracht wird. Ansonsten gibt es viel Fleisch (vor allem Hammel, Lamm, Rind, aber auch Pferd), Reis und Brot. Alles ist sehr fettig, denn das Leben unter freiem Himmel ist anstrengend. Zum Essen wird Tee getrunken oder das Nationalgetränk, vergorene Stutenmilch. Das ist kein Scherz. Es gibt sie in jedem Kiosk in großen Flaschen. Ich habe ja so einiges probiert, aber keine zehn Pferde (Haha…) hätten mich dazu gekriegt, das zu trinken. Das Nationalgericht wäre wohl Plov, ein Reisgericht mit Fleisch und ein wenig Gemüse.

Ich habe länger überlegt, was ich euch kochen soll. Ein Plov stand im Raum. Auch über Beshbarmak, eine Art Spätzle, die in Fleischbrühe gekocht werden, habe ich nachgedacht. Und über Borsok. Das sind kleine frittierte Teigstreifen, die in Marmelade gedippt werden. Gelandet bin ich aber schließlich bei Manti. Diese Nudeltaschen kennt man sowohl aus der russischen, als auch aus der türkischen Küche. Sie waren in Bishkek im Restaurant meistens meine Wahl. So lecker! Ich habe kurz über eine vegetarische Version nachgedacht, aber…Vegetarismus gibt es in Kirgisistan nicht. Ohne Fleisch, ohne dieses Land. Es war auch gar nicht so aufwändig, selbst Manti herzustellen. Das mache ich bestimmt noch mal. Sie sind gefüllt mit Lamm- oder Schweinehack, Zwiebeln, Paprikapulver und Petersilie. Ich habe statt der Petersilie einfach mal Bärlauch genommen. Dazu gibt es eine Joghurtsauce und Paprikabutter. Den Teig habe ich mit der Nudelmaschine ausgerollt. Das geht aber auch mit etwas Muskelkraft.

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Für etwa 30 Manti (je nach Hunger 3-4 Portionen als Hauptgericht):

Teig:
300g Mehl
1 TL Salz
1 Ei
125ml kaltes Wasser

Füllung:
250g Lamm- oder Schweinehack
1 Zwiebel
4 TL Paprikapulver
5-6 Blätter Bärlauch oder 1/2 Bund Petersilie
Salz und Pfeffer aus der Mühle

Joghurtsauce und Paprikabutter:
500g griechischen/ türkischen Joghurt
1/2 TL Salz
1 Knoblauchzehe
2 EL Butter
1 TL Paprikapulver

Nach Belieben: Petersilie oder Bärlauch und Pinienkerne zum Garnieren

Das Mehl mit dem Salz, dem Ei und 100ml Wasser zu einem glatten Teig verkneten. Am besten zuerst den Knethaken, dann die Hände nehmen. Bei Bedarf den Rest Wasser zugeben. Der Teig sollte formbar, aber fest und nicht klebrig sein. Eine Kugel formen, in eine Schüssel legen, mit einem Tuch abdecken und 30 Minuten ruhen lassen. Derweil den Joghurt für die Sauce mit Salz und 1 durchgepressten Knoblauchzehe verrühren. Kühl stellen. Für die Füllung die Zwiebel und Petersilie/ Bärlauch hacken. Beides mit dem Hack und dem Paprikapulver gut vermischen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Nun den Teig vierteln. Jeweils ein Viertel ausrollen, den restlichen Teig wieder abdecken. Das Ausrollen kann mit der Nudelmaschine oder der Hand geschehen. In jedem Fall mit etwas zusätzlichem Mehl arbeiten, damit die Teigbahnen nicht an der Oberfläche kleben. Wenn der Teig ca. 2 mm Dicke hat, können mit einem Ausstecher oder Wasserglas (ca. 8cm Durchmesser) Kreise ausgestochen werden. Dies mit allem Teigstücken wiederholen. Dann auf jeden Teigkreis 1/2 EL Füllung setzen. Die Manti falten und gut zusammendrücken. In diesem Rezept findet ihr eine bebilderte Falt-Anleitung: *Klick!* Einen Topf mit Wasser zum Kochen bringen. Die Manti vorsichtig hinein geben und ca. 7 Minuten garen. In dieser Zeit in einer Pfanne die Butter schmelzen und 1 TL Paprikapuver einrühren. 1 Minute köcheln. Die Manti abgießen. Mit der Joghurtsauce und der Paprikabutter anrichten. Guten Appetit!

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Ich hoffe, ich habe euch mit so viel Text nicht erschlagen? Es gibt einfach so viel zu sagen zu diesem spannenden Land. Am Dienstag geht es weiter bei der lieben Sandra von Hase im Glück. Ich bin schon gespannt, wo wir dann hinreisen…

Carina

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15 Gedanken zu “{Kulinarische Entdeckungsreise} Kirgisische Manti in Joghurtsauce

  1. Danke für diesen schönen Bericht und das lecker aussehende Gericht; die guten, alten Teigtaschen – sie sind international!.Die probiere ich aus, vielleicht bekomme ich sogar fertigen Nudelteig.
    Ach übrigens, ich gehöre wahrscheinlich auch zu den vielen, die nie nach Kirgistan kommen werden, aber der Kollege in der Schule hat am Dienstag ganz begeistert von seiner Osterreise nach Kirigistan erzählt!
    Herzliche Grüße
    Ingrid

    1. Hallo Ingrid, vielen Dank für deine lieben Worte. Teigtaschen sind auf jeden Fall international. Und trotzdem immer ein bisschen anders, und immer lecker! Liebe Grüße, Carina

  2. Das klingt wirklich sehr verführerisch und lecker. Auch wenn ich wahrscheinlich die Joghurtsauce austauschen würde, mit einer leichten Tomatensauce vielleicht? Aber das ist nur mein komischer Geschmack 😅
    Ansonsten klingt es wirklich sehr gut.
    Liebe Grüße Luna

    1. Hallo Luna, vielen Dank! Natürlich kannst du das Rezept gern nach deinem Geschmack verändern. Ich selber mag es so richtig gern. Meine Rezepte verstehe ich aber immer als eine Anregung und jeder darf daraus nach Laune machen, was ihm gefällt. Viel Spaß beim Ausprobieren! Liebe Grüße, Carina

      1. Vielen Dank=)
        Das ist das Großartige am Bloggen, man findet so viele Anregungen zum Kochen. Eigentlich komme ich kaum hinterher mit dem Ausprobieren.
        Liebe Grüße Luna

  3. Ein ganz toller und interessanter Bericht, Carina! Und meisterhaft geformte Manti ( glaube ich jedenfalls 😉 , denn ich habe noch nie welche gesehen)
    Vielen Dank, dass du diese schöne Reiseerfahrung mit uns geteilt hast.
    Liebe Grüße Maren

  4. In der Türkei werden Manti auch mit einer Kartoffelfüllung zubereitet. Darüber wird Joghurt gegeben und das ganze wird mit einer Tomatensoße und etwas Minze getoppt. Seeehr lecker!

    1. Hallo Susi, das klingt auch seeehr verführerisch. Ich liebe Manti und habe ja jetzt ein Grundrezept. Vielleicht probiere ich das auch bald mal 🙂 Danke für deinen Besuch und liebe Grüße, Carina

  5. Wow, wow, wow, liebste Carina, das sieht so gut aus. Vielen Dank, dass Du uns die Manti gezeigt hast. Die sehen ja super toll aus. 🙂
    Liebste Grüße
    Sarah

  6. […] Die Pierogi sind natürlich im Falten eine kleine Fleißarbeit, aber so lange dauert es nun auch nicht. Der Teig war sehr einfach zu handhaben und die Füllung geht, die reine Arbeitszeit betrachtet, sehr schnell. Ich fand, dass sich die Zubereitung gelohnt hat. Aber ich habe auch eine ausgeprägte Schwäche für Teigtaschen, siehe meine Kirgisischen Manti. […]

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