Der nachhaltigen Landwirtschaft in Potsdam auf der Spur

© David Biene/ WWF

Wo kommt unser Essen eigentlich her? Wie steht es um Landwirtschaft, ökologischen Fußabdruck und Konsumverhalten in meiner Region? Und wie bringt man das Thema Nachhaltigkeit vielen Menschen näher? Diesen und noch mehr Fragen durfte ich vor Kurzem in Potsdam auf den Grund gehen.

In regelmäßigen Abständen teile ich mit euch auf diesem Blog meine Gedanken zu gutem Essen. Gutes Essen, das heißt für mich nicht nur „lecker“. Meistens schaffe ich es, saisonal zu kaufen. Im besten Fall sind meine Lebensmittel auch noch regional und nachhaltig produziert. Aber das schaffe ich natürlich nicht immer, ich bin ja keine Heilige. Und das ist sicher für viele auch eine Kosten-Frage. Dennoch finde ich das Thema sehr wichtig: Woher kommt eigentlich mein Essen? Und als ich neulich eine Einladung des WWF bekam, mit ihnen dem Thema nachhaltige Landwirtschaft an meinem Wohnort Potsdam auf den Grund zu gehen, war ich sofort dabei. Normalerweise berichte ich hier ja eher selten über Blog-Events, aber dieses Mal habe ich so viel Inspiration mitgenommen, dass ich euch unbedingt davon berichten wollte. 

© David Biene/ WWF

Los ging es direkt am Brandenburger Tor in der Potsdamer Innenstadt. Melanie vom WWF und ihre netten Kolleginnen erzählten mir von der Konzeption ihrer Tour zum Thema nachhaltige Landwirtschaft und den einzelnen Programmpunkten in Potsdam. Der WWF hat Regionalreports erstellt, in denen er einige deutsche Städte und ihre Umgebung unter die Lupe genommen hat. Da wird geschaut, wie die Menschen in der Stadt leben, was sie konsumieren, wieviel Müll sie produzieren und wie sehr sie auf die nachhaltige Produktion ihrer Lebensmittel Acht geben. Außerdem wird auch die Umgebung der Stadt und die dortige Landwirtschaft, zum Beispiel in pucto Nitratbelastung, untersucht. Für Potsdam haben die Experten beim WWF festgestellt, dass die Bevölkerung etwas achtsamer ist, gern bio kauft und dass auch die Umgebung von Potsdam aufgrund vieler Gewässer und Schutzzonen weniger belastet ist, als im Bundesdurchschnitt. Dennoch ist noch viel Luft nach oben (Hier findet ihr den Regionalbericht). Das fand ich ja schon mal sehr interessant. Ausgehend von den Reports hat sich der WWF nun gefragt, wie man den Menschen auf der Straße das Thema nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung näher bringen kann.

© David Biene/ WWF

Die Lösung: Eine Tour mit einem Food Truck durch zehn deutsche Städte, jeweils angereichert mit tollen lokalen Food- und Landwirtschafts-Initiativen. Das heißt: Jede Station ist ein bisschen anders, jede auf die jeweilige Stadt abgestimmt und hinterlegt mit ganz viel Wissen. In Potsdam und Oldenburg war der Food Truck schon, als nächstes kommen noch Rostock, Köln, Münster, Karlsruhe, Mainz, Regensburg, Leipzig und Hannover. An den meisten Orten hat der WWF ein Blogger-Treffen geplant. Außerdem dürfen morgens Schulkinder am Stand gemeinsam Stullen für ihre Pause schmieren und lernen dabei spielerisch mehr zum Thema. Und jeder, der mag, kann vorbei schauen und sich über seine regionale Landwirtschaft und die teilnehmenden lokalen Foodies und Initiativen informieren.

© David Biene/ WWF

Unser Programm in Potsdam fing mit einem leckeren Lunch der Jungs von Organiced Kitchen, einem Bio-Catering aus Berlin an. Ich hatte leckere Hirse-Falafel. Als nächstes ging es zum Kräuter-Raten und einem Quiz am Stand des Grünen Klassenzimmers Potsdam. Dort gab es zum Beispiel auch Infos zu Culinary Misfits, also Gemüse, das nicht der Norm entspricht und oft aussortiert wird, obwohl es genau so lecker ist wie sonst. Die dritte Station in Potsdam war SpeiseGut, eine Initiative zur solidarischen Landwirtschaft. Bauer Christian erklärte uns alles über seinen Hof, bei dem man für einen monatlichen Beitrag Ernteanteile am Biogemüse kaufen und regelmäßig den Hof besuchen und mithelfen kann. Besonders wichtig sind Christian dabei auch faire, sichere und familiengerechte Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten, was in der Saisonarbeit nicht unbedingt selbstverständlich ist. Außerdem hat der Hof auch eine Ölmühle, die vor allem im Winter betrieben wird und presst eigene Säfte. Deshalb zeigte uns Christian auch, wie man Rapsöl presst und ließ und die leckeren Säfte mit Apfel, Mango und Rote Bete verkosten.

© David Biene/WWF

Mein heimliches Highlight des Tages war aber definitiv der anschließende Besuch in der Backstube der Bio-Bäckerei Fahland. Die ist hier in Potsdam eine Institution bei allen Liebhabern guten Bio-Brotes. Und als Hobby-Bäckerin fand ich es natürlich ungemein spannend, mal hinter die Kulissen zu schauen. Wiebke von Fahrland führte uns durch alle Räume der Bäckerei und Konditorei, beantwortete alle Fragen, ließ uns in die riesigen Knetmaschinen mit angesetztem Teig für die nächste Nacht und in die Kühlräume mit Teiglingen schauen. Hach, schade, dass tagsüber natürlich in der Backstube nicht viel los war. Am liebsten würde nachts mal Mäuschen spielen. In der Backstube wird hier übrigens noch jedes der ca. 2000 Brote und 8000 Brötchen pro Nacht von Hand geknetet. Außerdem achtet Fahrland auch sehr auf ein gutes Betriebsklima und hat zum Beispiel in den letzten Jahren immer wieder Geflüchtete in den Betrieb integriert.

© David Biene/ WWF

Danach war der Nachmittag auch schon um. Er war bereichernd und ich habe viele interessante Gespräche mit Menschen geführt, die sich für ihre Arbeit ganz und gar begeistern. Von den Anregungen und Denkanstößen werde ich wohl noch eine Weile zehren und auch weiterhin darüber nachdenken, wie ich mein Konsumverhalten nachhaltiger machen kann. Wenn ihr auch Lust bekommen habt, die Experten vom WWF über eure Region auszufragen und tolle lokale Produzenten und Foodies kennenzulernen, schaut doch mal auf einer der Stationen der Tour vorbei. Hier findet ihr alle Daten.

Carina

P.S.: Der WWF hat mich zu diesem Tag eingeladen. Ich bekomme für den Artikel keine Vergütung und berichte nur deswegen, weil ich ihn so spannend und bereichernd fand. Vielen Dank an Melanie und das Team des WWF! Einen großen Dank auch an David Biene, der für den WWF das Event in Potsdam fotografiert hat und mir freundlicherweise für diesen Beitrag seine tollen Bilder zur Verfügung gestellt hat!

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2 Gedanken zu “Der nachhaltigen Landwirtschaft in Potsdam auf der Spur

  1. Hallo liebe Carina, aaaaah mich freut es über saisonales Gemüse zu lesen! Ich veröffentliche seit Mai eine Übersicht mit den jeweils erntereifen Sorten und würde mich hierzu sehr über deine Kritik freuen!
    Liebe Grüße
    Anna

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